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Buchrezension: Eine teilweise richtige Beschreibung der Cancel Culture

Buchrezension: Eine teilweise richtige Beschreibung der Cancel Culture

Buchrezension: Eine teilweise richtige Beschreibung der Cancel Culture

Einer Figur wird der Mund per Reißverschluss verschlossen, Symbolbild für Cancel Culture
Einer Figur wird der Mund per Reißverschluss verschlossen, Symbolbild für Cancel Culture
Cancel Culture bedroht die Meinungsfreiheit (Symbolbild). Foto: KI-erstellt
Buchrezension
 

Eine teilweise richtige Beschreibung der Cancel Culture

Cancel Culture ist längst Gegenstand öffentlicher Debatten – doch wer sie erklären will, muss genauer hinsehen. Ein neuer Sammelband zur politischen Ausgrenzung scheitert dabei teilweise an den eigenen blinden Flecken.
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Die Cancel Culture ist ein großes Thema unserer Tage. Der 2018 entstandene Begriff bezeichnet die aktuelle politische Kultur einer sozialen und beruflichen Ausgrenzung von Personen, die bestimmten herrschenden Positionen widersprechen. In der Regel sind diese Positionen linker oder linksliberaler Natur, und sie richten sich häufig gegen Vertreter der politischen Rechten oder Abweichler aus den eigenen Reihen. Meist erfolgen dazu Aufrufe in den sozialen Medien, die betreffende Person sozial zu ächten oder beruflich zu schädigen, was dann oft auch von Vertretern diverser Institutionen in die Praxis umgesetzt wird.

Das Thema ist heiß und somit langsam auch Gegenstand wissenschaftlicher und publizistischer Untersuchungen. Der von Franz Schausberger und Hannes Schönner herausgegebene österreichische Sammelband „Cancel-Culture“ trägt aber nur teilweise etwas zur Erhellung der Problematik bei. Das liegt vermutlich schon daran, dass das Buch in einer Schriftenreihe des Karl-von-Vogelsang-Instituts erschienen ist.

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Dieses ist eng mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) verbunden, die – wie hierzulande die CDU – maßgeblich das Entstehen der Cancel Culture mitzuverantworten hat, und sei es zumindest durch Passivität und mangelnden Widerstand. So wird man in einigen der Buchbeiträge auf die richtige Fährte verwiesen, in anderen wiederum von dieser fortgeführt.

Er nennt das Gender-Thema oder den Verlust von Humor

Den mit Abstand längsten Aufsatz liefert Instituts-Präsident Franz Schausberger, der das alte Schema des Kampfes „gegen Links und Rechts“ aufwärmt, somit die Lebenslüge des sich als „Mitte“ definierenden liberal-bürgerlichen Milieus. Selbstverständlich wird dabei nicht erwähnt, dass durchaus auch Vertreter der „Mitte“ in unterschiedlicher Form Andersdenkende benachteiligen und eigene Anhänger fördern. Ausführlich geht Schausberger auf den katholischen Legitimisten und Soziologen Ernst Karl Winter ein, der in den 1930er Jahren von den Deutschnationalen in der Alpenrepublik angefeindet wurde.

Natürlich kann man auch eine Weltgeschichte der politischen Ausgrenzung schreiben, zum Verständnis des aktuellen Problems trägt das indes wenig bei. Immerhin aber findet sich in dem Beitrag auch Brauchbares. So nennt Schausberger prominente Stimmen für die Wissenschaftsfreiheit und Beispiele für die kulturellen Auswirkungen von „Cancel Culture“: „Harry Potter“-Schöpferin Joanne K. Rowling, Winnetou-Bücher, den Radetzkymarsch oder Trachten, die von links als „legaler Code für illegale Nazis“ angefeindet wurden.

Er nennt das Gender-Thema oder den Verlust von Humor. Aber zugleich dürfen NS-Bezüge nicht fehlen, und die Behauptung, die „Cancel Culture“ führe ausgerechnet zu einem „gefährlichen politischen Rechtsruck“. Da erzählt also jemand jene altbekannten Legitimationsnarrative, aus denen der kritische Leser anschaulich herleiten kann, weshalb „Cancel Culture“ überhaupt erst zu einem solch großen Phänomen heranwachsen konnte.

Die geistige Lücke wurde mit Ideologie gefüllt

Dieser Tenor zieht sich durch das ganze Buch. Johannes Sachslehner spannt den ganz großen Bogen vom antiken Rom über die Bilderstürmer der Reformation bis zur Regierung Metternichs. Immerhin gibt er einige Einblicke in die Praxis „politisch korrekter“ Verlagskultur. Gerhard Hartmann schildert die geschichtliche Diskriminierung von Katholiken, aber natürlich nicht durch Katholiken. Erik Kroiher behandelt einmal mehr die NS-Zeit.

Positiv stechen zumindest die Beiträge von Lothar Höbelt und Günther R. Burkert heraus, weil sie sich darum bemühen, das eigentliche Thema zu bearbeiten. So zeichnen sie die Entwicklung und den Einfluss der Neuen Linken nach 1968 nach, die von einer „Priesterherrschaft der Intellektuellen“ zur sogenannten Identitätspolitik und zum Postkolonialismus führte.

Die geistige Lücke, die die seit der Jahrtausendwende auf wirtschaftliche Effizienz ausgerichteten Universitäten hinterlassen hätten, wurde alsbald durch Ideologen gefüllt, zum Beispiel aus dem Gender-Bereich. Damit geriet die Wissenschaftsfreiheit immer stärker in die Defensive.

Aus der JF-Ausgabe 40/26.

Cancel Culture bedroht die Meinungsfreiheit (Symbolbild). Foto: KI-erstellt
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