Es gibt Dinge, die altern noch schlechter als schimmliger Käse. Die Sendung „Süß und deftig“ vom 14. Mai 2025 ist ein solcher Fall. Bis zum vergangenen Jahr hatten die beiden Dragqueens „Jurassica Parka“ (richtiger Name: Mario Olszinski) und „Jacky-Oh Weinhaus“ (Sebastian Böhm) das Format beim Berliner BKA-Theater moderiert. An jenem 14. Mai 2025 hatten sie Linken-Frontfrau Heidi Reichinnek zu Gast. Die Folge ist bis heute bei YouTube abrufbar.
Das Gespräch zwischen den drei Protagonisten verlief dem aufgetakelten Aussehen der beiden Gastgeber entsprechend: niveaulos. An einer Stelle fordert Olszinski über ein Mikrofon ein Glas und eine Zitrone an und sagt bei dieser Gelegenheit auf offenbar bewusst anmachende Art und Weise den Namen einer Person ins Gerät. Co-Moderator Böhm scherzt an der Stelle, andere würden sagen, das sei übergriffig. Olszinski reagiert: „Ich bin gerne übergriffig, das ist mein zweiter Vorname, das weißt du doch.“

„Ach, du magst übergriffige Transvestiten?“
Darauf Reichinnek: „Da fühl ich mich wohl.“
Olszinski: „Ach, du magst übergriffige Transvestiten?“
Reichinnek: „Mehr als übergriffige Männer, durchaus.“
Später in derselben Sendung spekuliert Olszinski über ein Verhältnis zwischen Reichinnek und FDP-Mann Wolfgang Kubicki. Die Linke dementiert. Olszinski darauf: „Es gibt ja viele perverse geheime Vorlieben, so ‘guilty pleasures‘, die halt auch ’ne Heidi Reichinnek haben kann. Ja, und wenn es um Wolfgang Kubicki geht, das ist schon ziemlich pervers.“
Am Mittwoch nun hat das Amtsgericht Tiergarten in Berlin Mario Olszinski alias „Jurassica Parka“ wegen des Besitzes kinder- und jugendpornographischer Inhalte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Das teilte eine Sprecherin am Nachmittag auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT mit. Die Vollstreckung sei zur Bewährung ausgesetzt worden. Bereits im Juli 2025 hatte die Staatsanwaltschaft die Wohnung der Dragqueen durchsuchen lassen (JF berichtete). Sie hatte einen Hinweis aus den USA erhalten und fand mehrere Stunden Videomaterial sowie Bildmaterial mit entsprechenden Inhalten.
Bundesregierung engagierte „Jurassica Parka“
Damit ist nun also ein gerichtlicher Stempel auf dem Skandalfall, der schon im vergangenen Jahr für erhebliche Aufmerksamkeit in der queeren Szene und darüber hinaus sorgte. Denn „Jurassica Parka“ ist nicht irgendjemand, sondern eine Führungsfigur im Berliner Regenbogen- und Dragmilieu, die darüber hinaus auch Kontakte in die Politik pflegte. Im Format „Süß und deftig“ hatte er neben Heidi Reichinnek 2025 auch die transgeschlechtliche Grünen-Abgeordnete Nyke Slawik zu Gast.
In seiner anderen Talkshow „Paillette geht immer“ schaute Kevin Kühnert (2020) ebenso vorbei wie Ricarda Lang (2025). Bereits 2021 hatte sich die Berliner SPD-Größe Franziska Giffey mit „Jurassica Parka“ ablichten lassen. Aus dem Jahr 2023 existiert ein gemeinsames Foto mit Kai Wegner, damals Regierender Bürgermeister von Berlin.

Doch es geht noch weiter: Im vergangenen Jahr musste die Bundesregierung auf Anfrage eines AfD-Abgeordneten mitteilen, dass sie im Jahr zuvor 6.000 Euro an Olszinski ausgezahlt hatte. Die deutsche Botschaft in Tokio hatte ihn für die dortige „Pride“-Parade gebucht. Im selben Jahr trat er beim „Queens & Flowers Festival“ im Botanischen Garten in Berlin auf, einem „Drag-Sommerfest“, das sich ausdrücklich auch an Familien mit Kindern richtete. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf förderte die Veranstaltung mit 40.000 Euro.
Ebenfalls 2024 hatte das Bundesfamilienministerium „Jurassica Parka“ im eigenen Haus zu Gast. Es war der Tag des Berliner CSD. Man drehte ein Video, das auch auf den offiziellen Kanälen des Ministeriums veröffentlicht wurde. 2025 dann fungierte „Jurassica Parka“ als Moderator bei dem Benefizkonzert „Gemeinsambunt“, das ebenfalls staatlich gefördert wurde und unter der Schirmherrschaft der Berliner Polizeipräsidentin stattfand. Die Veranstaltung will „auf das Themenfeld Vielfalt, Diversity und Hasskriminalität gegen LSBTIQ-Personen aufmerksam machen“.
Dragqueen war bereits 2023 verurteilt worden
Dies alles geschah zu einem Zeitpunkt, da „Jurassica Parka“ bereits wegen Kinderpornographie vorbestraft war. Denn eine erste Verurteilung zu einer Geldstrafe wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornographie hatte es bereits 2023 gegeben – was allerdings erst 2025 im Zuge der neuerlichen Ermittlungen ans Licht der Öffentlichkeit kam. Seinerzeit hielt das Gericht Olszinski zugute, dass er „reumütig und geständig“ gewesen sei.
Damals, 2023, war er auch in einem Format des ZDF-Moderators Jan Böhmermann zu Gast gewesen. Seinerzeit gab es eine Debatte über Dragqueens, die Lesungen für Kinder veranstalten. Anlässlich einer entsprechenden Veranstaltung in München prangerten Kritiker die damit zusammenhängende Frühsexualisierung an. Andere taten die besorgten Stimmen ab und beschönigten das Format als eine Form der Kunst.
Böhmermann sprach „Jurassica Parka“ darauf an: „Drag ist wieder politisch, oder?“, fragte er. „Rechte machen auf Familienschützer und hetzten gegen queere Lesungen.“ Darauf Olszinski: „Genau. Natürlich lesen Dragqueens keine Kinderbücher vor, weil sie Kinder geil finden – sondern sie möchten einfach nur Geschichten vorlesen.“ Er, „Jurassica Parka“, mache demnächst auch eine Drag-Lesung und sei gespannt. „Weil ich habe mit Kindern jetzt nicht so viele Berührungspunkte.“

Warnung vor rechter Instrumentalisierung
Bereits im vergangenen Jahr, als die Kinderpornovorwürfe bekannt wurden, beeilte sich jedermann, der kurz zuvor noch eng mit Olszinski verbunden war, Distanz aufzubauen – aus der Politik, ebenso wie aus der Regenbogenszene. Das ZDF hat die Böhmermann-Sendung ebenso gelöscht wie das Familienministerium das anlässlich des CSD veröffentlichte Video. Berlins Innensenatorin Iris Spranger erklärte im vergangenen November, sie sei „stinksauer“, dass „Jurassica Parka“ das Benefizkonzert moderiert habe (JF berichtete).
Und Gudrun Fertig, Geschäftsführerin eines Verlages, der das queere Magazin Siegessäule verantwortet, für das „Jurassica Parka“ in der Vergangenheit tätig war, bedauerte die „verheerenden“ Folgen von Missbrauch für betroffene Kinder. Zugleich richtete sie den Blick nach vorne: Sie sorge sich auch darüber, „dass dieser Fall von rechten Kräften instrumentalisiert wird, um queere Kultur pauschal zu diskreditieren“.






