Das hatten sie sich fein ausgedacht, die Navigationsexperten auf der Brücke der Brüsseler „Titanic“ und ihre Getreuen in der Regierungsetage in Reykjavik auf Island: Den dortigen Bürgern mit dem Buhmann-Doppelpack Trump und Putin ordentlich Panik machen, damit sie reumütig und willig auf den angeschlagenen EU-Dampfer umsteigen, der ihnen Schutz und Rettung verspricht.
Ein reiches Land, und ein strategischer Vorposten noch dazu, als Verstärkung für den leckgeschlagenen Umverteilungskahn und die arg geschrumpfte Nettozahler-Mannschaft, die ihn noch mühselig über Wasser hält, das wäre doch mal ein schöner und dringend benötigter Erfolg.
Falsch kalkuliert. Die Wikinger können nämlich rechnen. Vor allem jene, die im ganzen Land ihre Brötchen mit harter, ehrlicher Arbeit und tüchtigem Unternehmertum verdienen und nicht von Staatsdienst und Steuergeld in der Hauptstadtbürokratie leben.
Island kommt ohne EU besser zurecht
Die haben sich genau angeschaut, was Brüssel zu bieten hat, und sind zu dem naheliegenden Ergebnis gekommen: Es lohnt sich nicht, unsere Freiheit, unsere Souveränität und vor allem unsere Fanggründe und die Fischereiindustrie, das Rückgrat unserer Volkswirtschaft, der EU zum Ausplündern und Totregulieren auszuliefern – und das gegen ein vages Sicherheitsversprechen, das die Nomenklatura im fernen Brüssel im Zweifelsfall doch nicht einlösen kann.
Nato-Mitglied ist Island seit Jahrzehnten; die bewährten Strukturen werden, Trump hin oder her, auch in Zukunft eher reale Sicherheit gewährleisten als die Redegirlanden und Planspiele der Eurokraten. Mit der Finanzkrise ist Island im Alleingang schneller und erfolgreicher als die EU fertiggeworden, ohne marode Banken über Jahre hinweg mit schuldenfinanzierten Fantastillionen zu alimentieren.
Wo gute Beziehungen zu den EU-Ländern Vorteile für Handel, Wirtschaft und Freizügigkeit versprechen, sind entsprechende Verträge längst ausgehandelt und funktionieren. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, warum die Isländer sich nun auch noch Schuldenunion, Klima-Planwirtschaft, Migrationswahnsinn und aberwitzige Subventions- und Umverteilungsmaschinerien ans Bein binden und dafür ihren Wohlstand aufs Spiel setzen sollten.
Besonders verstimmt reagiert ein CDUler
Der klare Ausgang des Referendums ist so zur schallenden Ohrfeige für die Brüsseler Nomenklatura geworden, die darauf spekuliert hatte, mit dem Geld und den Ressourcen der Isländer den Zusammenbruch ihres überschuldeten Kartenhauses noch eine Weile hinauszögern zu können.
Entsprechend angefressen giften die Euromanen jetzt gegen Reykjavik, besonders schrill im EU-ergebenen deutschen Establishment. Was die Isländer da betrieben, sei „Rosinenpickerei“, und die lasse man sich nicht gefallen, zetert der CDU-Apparatschik Tilman Kuban, den seine geduldig verfolgte Funktionärskarriere immerhin auf den Posten eines europapolitischen Sprechers der Unions-Bundestagsfraktion gebracht hat.
Was er damit tatsächlich sagen will: Die EU ist ein ideologischer Selbstzweck, für den jeder Preis gezahlt werden muss, auch die schleichende Zerstörung der eigenen Volkswirtschaft bis zum Ruin. Deutschlands Regierungen betreiben dies, zum gar nicht mal heimlichen Vergnügen der wachsenden Schar der Nettoempfänger, seit Jahrzehnten mit fanatischem Selbstzerstörungseifer.
Das Votum ist ein Auftrag für Islands Regierung
Bei der überwiegenden Zahl der anderen EU-Mitglieder ist diese suizidale Neigung weit weniger ausgeprägt oder schlicht nicht vorhanden, sie singen das Lied mit, solange sie über Transferzahlungen, Schulden-Blankoschecks und andere Konstruktionen von der EU-Besessenheit der deutschen Eliten profitieren.
Die bittere Wahrheit hinter dem isländischen Referendum ist nämlich diese: Selbst in heikler weltpolitischer Lage ist für wohlhabende, stabile und wirtschaftlich erfolgreiche Staaten eine EU-Mitgliedschaft schlicht nicht attraktiv. Es reißen sich darum vornehmlich solche Länder, die sich vom EU-Umverteilungskarussell und seinem Hauptsponsor Deutschland eine Linderung ihrer fiskalischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme versprechen.
Was EU-Propagandisten wie Kuban als „Rosinenpickerei“ denunzieren, ist nüchtern betrachtet nichts anderes als vernunftgesteuerte nationale Interessenpolitik. Die Isländer zwingen mit ihrem Votum ihre Regierung, in Verantwortung für das eigene Land und die eigenen Bürger zu handeln und nicht für abstrakte Ideologien und überstaatliche Konstrukte.
Islands Wikinger lassen sich nicht über den Tisch ziehen
Über die logischen Konsequenzen aus dieser Abfuhr nachzudenken, ist für die EU-Gewaltigen und ihre Wasserträger in den Mitgliedstaaten allerdings strikt tabu. Nicht auszudenken, wenn auch in anderen EU-Ländern die Bürger auf den Gedanken kämen, dass sie mit einem auf Wahrung eigener Interessen gegründeten Vertragssystem souveräner Nationalstaaten womöglich besser fahren würden als mit einem autoritären, geldverschlingenden und regulierungswütigen supranationalen Bürokratiemonster.
Und vollends unvorstellbar, dass die Deutschen selbst anfangen könnten, auf ihre eigenen Interessen zu pochen, statt auch noch die Restbestände ihrer einstigen volkswirtschaftlichen Stärke für irgendwelche „europäischen Ideen“ zu verbrennen. Dann wäre das Brüsseler Billionen-Hütchenspiel nämlich ganz schnell zu Ende. Die isländischen Wikinger haben als Spielverderber dem EU-Zockertisch schon mal einen kräftigen Fußtritt verpasst.





