Immer wenn Merz vor die Presse tritt, kann man darauf wetten, wie hoch der Grad an Larmoyanz und Selbstmitleid wird. So auch heute wieder, im Rahmen der Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus (JF berichtete) zum Wahldebakel der Union in Berlin und ganz besonders in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Wähler die einstige Volkspartei kurzerhand und trotz „lustiger“ Fischbrötchen-Kampagne (die Zeiten sind ja ernst) aus dem Parlament geworfen haben.
Das war die CDU-Kampagne. pic.twitter.com/1XVC4iMx90
— Henning Hoffgaard (@HenHoffgaard) September 20, 2026
Möchte man nett sein, dann sei hier anzumerken: Geweint hat er dieses Mal nicht. Aber zerknirscht, das war er gewiss. Merz wurde auch gleich wieder unflätig, weil ein Journalist nicht rechtzeitig seinen Platz finden konnte. Das Nervenkostüm: dünner als die Versprechungen in einem CDU-Wahlkampf.
Gammelfleisch bleibt Gammelfleisch
Und dann geht das Klagen los: Es ist alles so schwer. Die politischen Umstände, übrigens durch Jahrzehnte der eigenen Politik verursacht und mitverantwortet, sind hart. Die Fronten sind generell ja so verhärtet. Da sind die extremistischen Kräfte, die einem alles kaputt machen. Und es mangelt an einer positiven Erzählung, was zu der einmal mehr gebetsmühlenartig wiederholten und damit ausgeleierten Forderung führt, dass die eigene Politik in Zukunft halt besser erklärt und irgendwie emotionaler verpackt werden müsse.
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Merz möchte also nicht seine Politik ändern, sondern nur einmal mehr versuchen, die Verpackung hübscher zu gestalten. Aber ein Lebensmittelhersteller erhöht den Absatz seiner Pferdefleisch-Lasagne auch nicht dadurch, dass er die Verpackung mit Blumen und Hundewelpen verziert. Gammelfleisch bleibt Gammelfleisch.
Ich mache keine Spielfeldkritik für die Union mehr, weil dazu bereits alles gesagt wurde. Vieles ginge, wenn man nur wollte beziehungsweise ein Deutschlandbild vertreten würde, welches sich nicht nach linken Diskursgeboten und dem journalistischen Elfenbeinturm richtet. Wenn man nicht immer noch linke NGOs durchfinanzieren und das längst kaputte Märchen vom diversen Multi-Kulti-Deutschland bedienen täte, an das ohnehin niemand mehr außerhalb der Berliner Politblase glaubt. Wenn man aufhören würde, auf Wähler zu schielen, die jeden Herbst eine emotionale Krise bekommen, weil Menschen in Lederhose und Dirndl auf das Oktoberfest rennen.
Kotau vor der Vergangenheit
Stattdessen gibt es mal wieder den Kotau vor der deutschen Vergangenheit. Die Schuld. Die große Last. Die historische Verantwortung. Wir lernen, dass Deutschland bereits mit Adenauer den Nationalismus hinter sich gelassen hat, auch wenn etliche CDU-Wahlplakate aus dieser Zeit und auch zahlreiche CDU-Wahlkämpfe vor und nach 1990 eine andere Sprache sprechen. Was daraus genau folgt und was deswegen nicht ginge, verschweigt Merz. Aber man kann es sich aufgrund vergangener Unions-Politik denken und ohnehin zwischen den Zeilen herauslesen:
Wir können nicht souverän über unsere Grenzen entscheiden. Wir können nicht das Positive des Deutschtums betonen. Wir können schon gar nicht die Deutschen als Volk begreifen, das auch abseits seiner staatlichen Verfasstheit existiert. Wir können nicht konsequent abschieben. Wir können inzwischen nicht mal mehr der staatlichen Schutzpflicht nachkommen, etwa weil kein Geld mehr da ist, um Haftplätze für ausländische Mehrfachtäter zu schaffen. Die laufen jetzt frei herum und werden maximal in die betreuenden Hände linker Bullshit-NGOs gegeben, denen auch die Union nicht den Geldhahn abdreht, weil sonst die einzig verbliebenen Koalitionspartner auf die Barrikaden gehen. Dann gibt es halt mal ein paar tote und verletzte „Queers“ am CSD, aber wie schon gesagt: Die Zeiten sind hart, so schrecklich hart. Und alles ist schwierig.

Echte Änderungen? Sorry, ist wieder mal nicht drin
Aber, so sagt Merz: Einfache Lösungen gibt es nicht. Der Staat kann offensichtlich nur mit maximaler Muskelanspannung handeln, wenn es, wie während Corona, darum geht, die eigenen Leute zu verfolgen und zu drangsalieren. Er kann seinen Bürgern erzählen, dass wir jetzt mit Waffentechnik aus dem letzten Jahrhundert die Fertigkeitslücken für einen kommenden Krieg mit Russland schließen können. Dazu gibt es Steuern auf inzwischen fast alles, was Spaß macht oder dazu angetan ist, dem Grauen der Gegenwart wenigstens für eine kurze Zeit zu entkommen.
Aber wirklich mal durchgreifen, Bürokratie zurückbauen, mehr Freiheiten eröffnen, konsequent abschieben oder einen Patriotismus kultivieren, der auch abseits des drögen Grundgesetzes Bindung und Identität schafft? Sorry, ist wieder mal nicht drin. Diese Pfeile befinden sich nach wie vor im Köcher der von Merz namentlich nicht genannten „extremistischen Kräfte“.
Merz, seiner verbliebenen Trümmertruppe und der ätzenden Zwerg-SPD als einzig realistisch verbliebenem Koalitionspartner kann man da nur wünschen: Viel Glück damit am nächsten Wahlkampfstand. Ihr werdet es brauchen, denn den Leuten 2026 immer noch mit sauertöpfischer Oberlehrer-Miene zu klagen, dass vieles schwierig und nichts einfach ist, auch weil Schlimmes vor fast 100 Jahren passiert ist, wird gewiss nie wieder ein Gewinnerticket in diesem Land sein. Wir sehen uns 2029 im nächsten Superwahljahr. Wenn die CDU dann noch existiert …





