Es ist fraglich, ob der Schuss überhaupt noch gehört wird im Konrad-Adenauer-Haus. Jetzt flog die CDU in Mecklenburg-Vorpommern erstmals in ihrer 81jährigen Geschichte aus einem Landtag – Symbol eines historischen Niedergangs (JF berichtete). Keine Partei ist mit dem Aufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg enger verknüpft als die Union. Das Erfolgsmodell von Sozialer Marktwirtschaft und Wirtschaftswunder trägt mit Ludwig Erhard ihre Handschrift. Nun aber werden mit ihr der Niedergang Deutschlands, Deindustrialisierung, Zusammenbruch des Automobilsektors, der Abschied vom sprichwörtlichen deutschen „Vorsprung durch Technik“ verknüpft.
Es war im Kern eine politische Bankrotterklärung, als der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang der Woche öffentlich erklärte: „Wir haben auf zu viele Fragen keine zufriedenstellenden Antworten mehr.“ Verbunden mit der Klage über fehlende „neue Erzählungen“, um Bürger „mehr mitzunehmen“, offenbart dies das Fehlen einer Strategie, eines positiven Leitbilds für unsere Nation, die im Morast jahrzehntelang aufgestauter Reformen und politischer Fehlentscheidungen feststeckt. Merz spielt die Rolle eines Konkursverwalters der Bundesrepublik Deutschland ohne realisierbaren Sanierungsplan.
Für die CDU stellten sich jetzt grundsätzliche und langfristige Fragen. Unabhängig von den Wahlergebnissen müsse man die Probleme im Land lösen, so Bundeskanzler Friedrich Merz. Man habe auf zu viele Fragen keine zufriedenstellenden Antworten mehr. pic.twitter.com/xlAlOSvRBa
— phoenix (@phoenix_de) September 21, 2026
Mit der Übernahme des CDU-Vorsitzes gegen den Willen seiner jahrzehntelangen Intimfeindin Angela Merkel, seinem Kampf um die Kanzlerschaft, schuf Merz eine Projektionsfläche, nun würden nach der Meisterin politischer Demobilisierung und dem „Klempner der Macht“ (Merz über SPD-Kanzler Olaf Scholz) Führung und eine grundlegende Kurskorrektur geliefert. Doch hinter der Fassade seines markigen Auftretens und schneidiger Rhetorik schält sich immer mehr ein konfliktscheuer Charakter heraus, dem es an Durchsetzungsfähigkeit mangelt.
CDU hat sich politisch kastriert
Dass Merz als CDU-Chef und Kanzler jetzt trotz unterirdischer persönlicher Zustimmungswerte noch nicht abgelöst wird, zeigt vor allem eines: Auch keiner der anderen führenden Köpfe seiner Partei hat einen Ausweg aus der Abwärtsspirale. Mit der Brandmauer, die sich allein gegen die AfD richtet, hat sich die CDU auf Gedeih und Verderb an linke Koalitionen gekettet. Der CDU-Linke Daniel Günther, von etablierten Medien als Modernisierungs-Vordenker gefeiert, hatte seiner Partei sogar eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei empfohlen – was in Sachsen und Thüringen bereits praktiziert wird.
Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin ist zu besichtigen, wen da Vertreter der „bürgerlichen Mitte“ zu den „demokratischen Parteien“ zählen: kommunistische Enteignungen befürwortende Kumpane krimineller Araber-Clans, die gemeinsam mit palästinensischen Terrorunterstützern offen Front gegen Juden und Israel machen. Es formiert sich mit Macht eine aggressive Phalanx aus Linksextremismus und migrantischem Antisemitismus, ein Bündnis, das in Frankreich „Islamogauchismus“ genannt wird.
This is an important post to understand how tonight’s German regional election was won by the far-left Linke party (25%)
The picture shows Linke’s Turkish Bundestag member Ferat Koçak with the Palestinian Hamas-supporter Ibrahim Ibrahim at Linke’s election night party in the… pic.twitter.com/bPNrjvIYsk
— Visegrád 24 (@visegrad24) September 20, 2026
Während Grüne und SPD in der Hauptstadt und anderswo die Option der Zusammenarbeit mit der Linkspartei skrupellos nutzen und damit bei jeder Koalitionsverhandlung CDU-Politiker unter Druck setzen, hat sich die Union mit der Weigerung, auch nur Gespräche mit der AfD zu führen, politisch kastriert. Sie darf sich deshalb nicht wundern, wenn sie in den Augen der Wähler als ununterscheidbar wahrgenommen wird und wie die FDP zwischen die Mühlsteine gerät.
Die selbsternannte Mitte schrumpft auch im Westen
Die Merz-Union hatte ein einziges Mal einen Anflug von Mut für eine alternative strategische Weichenstellung, als sie am 29. Januar 2025 im Bundestag einen migrationspolitischen Antrag kalkuliert mit den Stimmen der AfD durchbrachte. Der Union fehlte im Anschluss jedoch die Standfestigkeit, dem konzertierten Aufstand linker NGOs und des linksliberalen Medienkartells zu widerstehen. Merz habe „das Tor zur Hölle geöffnet“, behauptete damals der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich.
Ein paar angegriffene CDU-Büros und Beschimpfungen, die man seit der Ära von Franz Josef Strauß und Helmut Kohl nicht mehr gewohnt war, genügten, damit die Union sofort in die Knie ging. Sie war nicht einmal mehr in der Lage, mit dem Kartell staatlich subventionierter linker NGOs aufzuräumen, in dessen Fadenkreuz sie selbst schmerzhaft geraten war.
Wenn sich an diesem Kurs nichts ändert, dann wird die CDU unweigerlich ihrem Untergang entgegensteuern. Merz meint zwar, jetzt noch einmal Luft zu haben, weil bis Ende 2029 nur in westdeutschen Bundesländern Wahlen anstehen. Bei den Urnengängen im Saarland, Schleswig-Holstein und NRW im kommenden April ist damit zu rechnen, dass sich die Amtsinhaber von CDU und SPD jeweils mit einem Anti-AfD-Wahlkampf auf Kosten der übrigen „demokratischen“ Mitbewerber noch einmal behaupten – sie dürften dennoch massiv Stimmen einbüßen. Der Block aus Grün-Rot-Schwarz wird in Summe weiter schrumpfen.
Ohne Brandmauer kein Reformstau
Wie zuvor den Grünen wird der AfD durch wachsende Wahlerfolge der Zugang zur politischen Mitwirkung gelingen. Das ist schlicht ein Triumph der Demokratie! Die überfällige Mitwirkung der AfD wird spätestens dann auch offenkundige Widersprüche in der Partei abschleifen – Realpolitik diszipliniert. Wenn die AfD klug ist, beginnt sie mit der verbalen Abrüstung bereits jetzt.
Als Wurmfortsatz und Mehrheitsbeschaffer linker Politik macht sich die CDU überflüssig. Sie räumt für Anhänger einer Politik der rechten Mitte das Feld freiwillig für die AfD. Nach den neuesten Ankündigungen der SPD dürften weitere Reformvorhaben im Schredder landen. Deutschland droht eine Hängepartie, in der die Schuldenorgie und der wirtschaftliche Abstieg ebenso fortgesetzt wird wie eine unverantwortliche, laxe Politik offener Grenzen mit ungebremster illegaler Massenmigration.
Die CDU operiert dabei nicht im luftleeren Raum. Ihr Opportunismus, ihre Mutlosigkeit, existierenden Mitte-Rechts-Mehrheiten zum Durchbruch zu verhelfen, ist Spiegelbild eines saturierten Milieus in Medien, Kultur und Wirtschaft, das Ulf Poschardt als „Bückbürgertum“ attackiert. Hausblatt dieses Milieus ist die FAZ, deren Herausgeber Gerald Braunberger jetzt von der Gründung einer „neuen bürgerlichen Partei“ fantasiert, statt mit seinem Blatt endlich dafür zu sorgen, dass der faire Diskurs von links bis rechts geöffnet wird.
Der Reformstau Deutschlands ist mit Brandmauern und Gesprächsblockaden eng verknüpft. Die jahrzehntelang praktizierte Unterwerfung unter eine linke Diskurshoheit und insbesondere die Ausschaltung konservativer, rechtsintellektueller Gegenstimmen ist Teil von Deutschlands Reformverweigerung und Reformunfähigkeit. Das muss sich jetzt ändern.






