Zunächst konnte ich es kaum glauben. Vergangene Woche stolperte ich auf X über ein Bild, das zu schön aussah, um wahr zu sein. Es zeigte einen Zug feierlich schreitender, bildhübscher Schülerinnen in weißen Kleidern, Blumensträuße vor die Körper haltend, dahinter Mitschüler ebenfalls in weißer Kleidung, Flaggen der Region an Stangen in der Hand. Vor allem aber: schräg über der Brust breite Schärpen in schwarzrotgoldenen Nationalfarben. Das konnten nur KI-Optiken sein.
Unfassbar wunderschöne Bilder aus dem sächsischen Kamenz, 250 Jahre Forstfest. Pure Lebensfreude und Tradition. pic.twitter.com/SXLab6VxBn
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) August 26, 2026
Im Text jedoch der Hinweis: Es handele sich um einen „Auszug der Schüler in Kamenz“ und den „feierlichen Auftakt“ eines „Forstfestes“ dieses sächsischen Städtchens in der westlichen Oberlausitz. Es musste sich also um ein reales Ereignis handeln. Wenig später war klar: Die Bilder sind aktuell, in der vergangenen Woche feierte Kamenz sein 250. Forstfest, eine Tradition, die Jahrhunderte zurückreicht und um die sich die Stadtgemeinschaft sammelt.
Forstfest Kamenz 2026 – 250 Jahre alte Tradition 🥰 pic.twitter.com/RFeo0MDbJw
— Datendieb ✌🏻🕊️ (@71_tiller) August 25, 2026
Es war einem örtlichen Fotografen gelungen, Stimmung und Gesichter der in diesem Jahr 1.850 Schülerinnen und Schüler besonders anrührend einzufangen, deren feierlicher Aufzug den alljährlichen rituellen Kern dieses Festes bildet, dessen Zeremoniell sich in wesentlichen Grundzügen unverändert seit 1844 bewahrt hat.
Vielerorts mangelt es an Festen wie in Kamenz
Was an diesen Bildern so fassungslos macht, sind Anmut, Fröhlichkeit und Unschuld, mit der diese jungen Menschen ihre Gemeinschaft feiern. Und das eben im Unterschied zu vielen, ebenfalls schönen, in regionalen Brauchtümern gehaltenen Festen auch ausdrücklich mit den Farben der deutschen Nation. Wobei Abordnungen auch Schärpen in den Farben der Lausitz, Sachsens und von Kamenz tragen. Es gelang mir, den 82jährigen Vorsitzenden des Fördervereins Forstfest Kamenz ins Interview zu holen (Sie können es HIER nachlesen und dort auch eine Auswahl der hinreißenden Bilder sehen).

Die integrative Kraft des Festes erschließt sich umgehend. Faszinierend, wie Eltern, Lehrer, Schüler – die ganze Stadt – mitziehen und diese Tradition mit Leben füllen. Die in der sorbischen Lausitz besonders ausgeprägte Eigensinnigkeit, starkes Traditionsbewusstsein, dazu sächsische Dickschädeligkeit tun ihr Übriges.
Das Erschütternde ist, dass es Deutschland an Momenten solcher festlichen Freude und Tradition mangelt, die selbstverständlichen Bezug explizit auch zur Nation herstellen. Form- und Stillosigkeit prägen heute den öffentlichen Raum und stehen Integration und Zusammengehörigkeit entgegen.

Kamenz lässt sich leider in seiner Besonderheit nicht kopieren – es kann aber zum Nachdenken darüber anregen, wie wir positive Formen der Identitätsstiftung und der Gemeinschaft – gerade auch mit nationalem Bezug – wiederentdecken.





