Ellen (l.) und Stefanie Radtke
Ellen (l.) und Stefanie Radtke: „Anders Amen“ Fotos: picture alliance/Ulrich Baumgarten / Screenshot YouTube/„Anders Amen“
Lesbische Pastorinnen auf YouTube

Queere Selbstvermarktung in Gottes Namen

Ellen und Stefanie Radtke sind evangelische Pastorinnen in Niedersachsen. Eigentlich nichts Besonderes. Nur teilen sie nicht denselben Nachnamen, weil ihre Eltern Geschwister sind, sondern weil sie seit sieben Jahren verheiratet sind, wie sie selbst lachend verraten – „das verflixte Jahr.“ Die Gottesfrauen unterhalten einen YouTube-Kanal, in dem sie – wohlwissend, wie man Aufmerksamkeit generiert – über ihre Homosexualität in Verbindung mit ihrem Amt als Pfarrerinnen reden.

„Anders Amen“ heißt die Kamelle. Tatsächlich wäre an der dicken Kurzhaarigen und der dünnen Rothaarigen nichts weiter auffällig, wenn sie nicht ihr Amt zur Selbstvermarktung mißbrauchen würden.

Sie beschreiben sich als „queeres, lesbisches Paar auf dem Dorf“. Auffordernd fragen sie in die Kamera: „Seid ihr queer, kennt ihr queere Menschen in der Kirche? Das würde uns total interessieren.“ Wörter wie „total“ ziehen sie übrigens extra in die Länge, wie wenn zwei Erzieherinnen in der Kindertagesstätte ihren Lieblingsschützling loben, wenn er seine Notdurft nicht in der Hose, sondern in dem dafür vorgesehenen Ort verrichtet hat. Totaaaal super.

Mit Kirchensteuern gegen „positive Diskriminierung“

Das Projekt wird vom Kirchenfunk Niedersachsen und Bremen finanziert, richtet sich vor allem an Jugendliche und soll zeigen: „Die Verbindung queer, Kirche und Land geht total gut.“ Als Kirchenmitlgied sagt man da nur: Herzlichen Dank, total gut investierte Kirchensteuer.

In ihrem Vorstellungsvideo regen sie sich über „positive Diskriminierung“ auf. Zum Beispiel, wenn eine lokale Zeitung einen Artikel über sie als Pastorinnen schreibt und nebenbei auch berichtet wird, daß die beiden lesbisch sind. „Egal worum es geht, es wird auf jeden Fall erwähnt, daß wir mit einer Frau verheiratet sind.“ Um dieser „positiven Diskriminierung“ etwas entgegenzusetzen, haben Ellen und Steffi jetzt also einen YouTube-Kanal eröffnet, der von nichts anderem handelt als von ihrer Homosexualität. Bestechende Logik. Frei nach dem Motto: Verteidigung heißt Angriff.

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Pastorin hadert mit dem Christentum

In einem anderen Video lassen sie die Zuschauer an ihrem freien Sonntag teilhaben. Während Ellen eigentlich lieber „zu Hause gammeln“ möchte, hält es Stefanie für angebracht, den Gottesdienst zu besuchen. Nach dem Kirchengang trotz Widerwillen lautet das Resümee: „So scheiße war es gar nicht.“ Das ist gar kein schlechtes Fazit, wenn man bedenkt, der Gottesdienst ist eine der Hauptaufgaben einer Pastorin. Die Berufswahl scheint glücklich verlaufen zu sein. Oder die Berufung. Gottes Wege sind unergründlich.

Überhaupt hat Ellen ihre Probleme mit dem Christentum. Beispielsweise das dort vermittelte Familienbild durch Josef, Maria und Jesus. „Total schön, romantisch und für alle Heterosexuellen wahrscheinlich die Erfüllung ihrer Träume.“ Für „queere Personen“ sei es aber schwierig, da „einen Anschluß zu finden, wenn das so gar nichts mit der eigenen Realität zu tun hat“.

Außerdem stört sie, daß in der Bibel steht, Gott habe Adam und Eva als Mann und Frau geschaffen. „Also dieses ganze Bild von Geschlecht ist so eins, wo ich mir denke, sorry, was hat das Ganze eigentlich mit mir zu tun.“ Gute Frage. Was hat das Ganze eigentlich mit ihr zu tun?

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Sinnentleertes Christentum

Mit ihrem „Leihkind“ gehen die beiden dann noch Cappuccino trinken und verraten: „Irgendwie wollen wir ein Kind“. Die Videos der Pastorinnen sind durchaus unterhaltsam. Seifenoper ist gar kein Ausdruck dafür. Wer vorher noch nicht verquer im Kopf war, findet spätestens nach dieser Darbietung sein Gehirn weichgespült wieder. Auch die Kommentare sind bislang überwiegend positiv.

Doch Spaß beiseite. Ellen und Stefanie personifizieren das sinnentleerte Christentum und deuten es zum Lifestyle um. Sie benutzen die Autorität des Talars, um ihr Gedankengut publik zu machen – im Namen des Christentums. Damit wird dann auch dem letzten Gläubigen klar gemacht, daß es scheiß egal ist, ob er in die Kirche geht oder nicht. Dieselbe Tiefe kann er auch finden, wenn er sich sonntags morgens ein Bier aufmacht und „Da Da Da“ in Dauerschleife hört.

Ellen (l.) und Stefanie Radtke: „Anders Amen“ Fotos: picture alliance/Ulrich Baumgarten / Screenshot YouTube/„Anders Amen“

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