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Kulturbedingte Blindheit

Zeichnen können, heißt nicht zuletzt: weglassen können. So viel weiß der bildende Künstler. Über den Grad, in dem dies Weglassen auf eine bewußte Entscheidung des Künstlers zurückgeht oder einem unbegründbaren ästhetischen Empfinden folgt, läßt sich streiten. Auf höherer Ebene zeichnet sich auch jede Kultur dadurch aus, daß sie die Welt auf eine bestimmte Weise wahrnimmt. […] mehr »
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Diplomatensnooker

Es ist eines der englischsten aller Spiele. Es erfordert subtiles Denken über mehrere Banden, große Geduld in langweiligen Phasen und stete, hohe Präzision. Sein Ziel: Den Gegner in eine Position zu manövrieren, in der er es nicht vermeiden kann, ein Foul zu begehen. Dann ist er gesnookert. Die Rede ist vom Billiard. Der erste, sofort […] mehr »
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Zivilreligion

„Auch der Bürger, der an den Verbrechen nicht beteiligt war, ja nichts von ihnen wußte, ist mitschuldig geworden, weil er lässig war gegen die Verkehrung aller sittlichen Maßstäbe und Rechtsnormen in unserem Volk. Wir können auch uns und unsere Gemeinden nicht ausnehmen von dieser Schuld.“ Diese Worte verabschiedete die in Bethel bei Bielefeld versammelte Synode […] mehr »
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Der natürliche Feind

Ein unter Historikern ebenso bekanntes wie beliebtes Bonmot hebt spöttisch darauf ab, daß der natürliche Feind des Historikers eigentlich der Zeitzeuge sei. Der Hintergrund dazu ist ein schnell erzähltes Dilemma. Ohne Zeitzeugen oder Dokumente, die von Zeitzeugen hinterlassen wurden, funktioniert Geschichtsschreibung natürlich nicht. Das weiß jeder. Auf der anderen Seite hebt der Historiker aber immer […] mehr »
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Der 23. Mai

Man schreibt den 23. Mai. Da dies ein denkwürdiges Datum ist, an dem 1949 das Grundgesetz in Kraft getreten ist, nutzte der bundesdeutsche Präsident im Vorfeld die Gelegenheit zu einer Grundsatzrede. Außerdem ließ er den Tag mit der Übergabe von 23 Einbürgerungsurkunden an 23 neue bundesdeutsche Bürger feiern. Über den Geschmack dieser Geste kann man […] mehr »
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Notizen aus der Provinz

Vergangene Woche war es soweit. Der regionale Pressemonopolist fügte seiner Wochenendausgabe eine Sonderbeilage zum Thema Erster Weltkrieg bei, nett gemacht, zum Herausnehmen und vielleicht sogar zum Behalten. Das war zu erwarten, denn es ist dieser Weltkrieg schon seit dem letzten Jahr ein medialer Dauerbrenner. Spätestens auf der Buchmesse ließ sich im Oktober ein völlig außergewöhnliches […] mehr »
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Alles längst bekannt

Am 4. Oktober 1921 fragte das Arbeitersekretariat München bei dem emeritierten Professor Ludwig Joseph (kurz: Lujo) Brentano an, ob er nicht einen Vortrag im allgemeinen Bildungsprogramm halten wollte. Brentano wollte, und obwohl er eher Wirtschaftsfachmann als Historiker war, wählte er das Thema „Die Schuld am Weltkrieg“. Bedenken gegen diese Themenwahl wurden ausgeräumt und am 3. […] mehr »
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Gewöhnliche Geschichtsklitterei

Diesen September wird es 75 Jahre her sein, daß der polnisch-deutsche Krieg ausbrach. Wenn man nun wissen will, warum in diesem Zusammenhang heute überwiegend vom deutschen „Überfall auf Polen“ die Rede ist, der scheinbar keine Vorgeschichte hat, dann ist zum Beispiel ein Blick auf das nützlich, was vor fünf Jahren so zur Sache publiziert wurde. […] mehr »
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Einem General platzt der Kragen – USA 1935

Er war ein Soldat mit vielen Auszeichnungen: Generalmajor Smedley Darlington Butler (1881–1940) diente jahrzehntelang im US-Marinecorps, dem er sich als Siebzehnjähriger freiwillig angeschlossen hatte. Neben den fünf Auszeichnungen, die er für besondere persönliche Tapferkeit erhielt, gehörte er zu den nur neunzehn Personen, die zweimal mit der amerikanischen Medal of Honour ausgezeichnet wurden. Gelegenheit, sich auszuzeichnen, […] mehr »
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Schwarzes Spiel

Wenn es um den Ersten Weltkrieg geht, dann herrscht vordergründig seit vielen Monaten ungewohnte Harmonie. Die Schriften von Christopher Clark, Herfried Münkler, Hans Fenske und so manch anderem werden in deutschen Zeitungsredaktionen sachlich besprochen. Sie – besonders Clark – können zahlreiche Interviews geben, kommen in Rundfunk und Fernsehen zu Wort, und es scheint so, als […] mehr »