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Luther, ein Volksverhetzer?

Das 500-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 wirft weiterhin seinen langen Schatten voraus. So ging diese Woche Christian Geyer in der FAZ in einem außergewöhnlich langen und teilweise bedenkenswerten Artikel über die richtige Einstellung zur Reformation der Frage nach, was Luther uns heute noch zu sagen habe und ob man ihn nach heutigen Kriterien denn nicht […] mehr »
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Ketzergedanken zum Mauerfall

Von Max Weber stammt bekanntlich die Formel, daß die Reichseinheit von 1871 ein „Jugendstreich“ gewesen sei, „den die Nation auf ihre alten Tage unternommen“ hätte. Sollte dieses Unternehmen einen Sinn haben, dann mußte seiner Meinung nach eine entschlossene Weltpolitik folgen. Tatsächlich betrieb das deutsche Kaiserreich schließlich auch Weltpolitik, allerdings weniger entschlossen, als vielmehr durch die […] mehr »
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Landkartenpolitik

Im Jahr 1421 reiste eine Delegation des polnischen Königs nach Rom. Sie übergab dort dem Papst eine Landkarte des eigenen Landes, oder jedenfalls eine Karte dessen, was der polnische König als sein Land beanspruchte. Das hört sich eigentlich nach einem wenig aufregenden Auftrag an, doch handelte es sich dabei erstens um die älteste Karte von […] mehr »
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Wer lügt, Mr. Lincoln?

Zu den auch in Deutschland meistzitierten Aussprüchen des legendären amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln zählt der Satz: „You can’t fool all the people all the time!“ Das wird immer wieder gern wiederholt, meist mit der vage-wohlfühligen Deutung, hier hätte jemand darauf hingewiesen, daß sich trotz aller Lügen – der notwendigen Begleiterscheinung des Versuchs, die Leute bewußt […] mehr »
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Schweinfurter Eifer

„Wenn man lange genug lebt“, hat Ernst Jünger mal irgendwo gesagt, „erlebt man alles und das Gegenteil.“ Wahrscheinlich hat er dabei nicht speziell den Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte im Blick gehabt, sondern eher die stete Umwertung der Dinge. Sie konfrontierte den Soldaten von 1914, der wie so viele andere ambitioniert, opferbereit und voll […] mehr »
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Armer Konrad

Das Jahr 1514 war ein unruhiges Jahr. Es gärte überall im Reich deutscher Nation, dessen innere Ordnung von der Konkurrenz zwischen geistlichen wie weltlichen Fürstentümern, den Städten, dem reichsunmittelbaren Adel, dem langsam aufkommenden Religionskonflikt mit einer gottvergessenen Kirche, dem Kaiser und dem ebenso neuen Nationalgefühl in Frage gestellt wurde. Letzteres wurde bald von Ulrich von […] mehr »
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Gedenken an den 1. September 1939: ein Routineschwindel

Fünfundsiebzig Jahre ist der 1. September 1939 her. Das muß natürlich auch in den Medien stetig bewältigt werden, möglichst in gesellschaftstragendem Sinn. Dabei haben sich im Lauf der Jahre gewisse Routinen entwickelt, die dem Leser/Hörer/Konsumenten stets suggerieren sollen, es sei in dieser Sache alles klar: Deutschland und sein Diktator hätten 1939 mutwillig den Weltkrieg entfesselt. […] mehr »
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Ernst Jünger: Antifaschistische Nationalisten

In den 1920er Jahren zog Ernst Jünger los und predigte in ebenso glasklarer wie esoterischer Diktion den Nationalismus und das Soldatentum. Das rückt ihn für manche heute in die Rolle eines Vordenkers kommender Dinge, konkret der NS-Zeit. Ob das allerdings in der späteren NS-Führungsriege tatsächlich als wichtiger Beitrag zur Kenntnis genommen wurde, kann man bezweifeln. […] mehr »
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Journalistische Querfronten zu 1914

Am Montag dieser Woche macht die Regionalzeitung mit folgender Schagzeile auf: „Vor Hundert Jahren – Deutschland will den Krieg“. Näheres gibt es dann ganzseitig im Innenteil. Es ist der übliche Kram. Es sei eine „völlige Umkehrung der Tatsachen“ gewesen, als der deutsche Kaiser zur Verteidigung aufgerufen habe. Viel Raum wird dem Menschlichen gewidmet, wobei zwar […] mehr »
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Kulturbedingte Blindheit

Zeichnen können, heißt nicht zuletzt: weglassen können. So viel weiß der bildende Künstler. Über den Grad, in dem dies Weglassen auf eine bewußte Entscheidung des Künstlers zurückgeht oder einem unbegründbaren ästhetischen Empfinden folgt, läßt sich streiten. Auf höherer Ebene zeichnet sich auch jede Kultur dadurch aus, daß sie die Welt auf eine bestimmte Weise wahrnimmt. […] mehr »